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Rolls Royce Wraith – Das 100.000 Käsekrainer-Auto

Rolls Royce Wraith

Das Leben kann auch nach Jahrzehnten voller außergewöhnlicher Erlebnisse immer noch überraschend sein. So geschehen im Rolls Royce Wraith.
Es ist schon überraschend, wenn zwei uralte Motorjournalisten in einem Fahrzeug sitzen und sich fragen, ob der Motor läuft. Tat er. Hörten beide aber nicht. Nicht, weil sie so schwerhörig, sind, sondern, weil der 6,2 Liter 12-Zylinder so ruhig läuft, dass uns eine Mercedes-Benz S-Klasse, ein Audi A8 oder ein 750i von BMW wie lärmende Rabauken erscheinen.

Die Motorhaube ist länger als der Wohnungsflur einer durchschnittlichen Dreizimmerwohnung in München. 5,27 Meter Länge und 1,97 Meter Breite machen etwas her. Das Kapital für eine kleine Wohnung in einem normalen Stadtteil in München sollte man erübrigen können. Und eine Doppelgarage (mindestens) wäre bei den Abmessungen auch hilfreich. Der Preis passt zur derartigen Immobilie. Mindesten 344.550.-€ plus MwSt. 632PS und 800 Nm schieben das Coupé mit 2.360kg Gewicht in 4,6 Sekunden von Null auf Hundert. Bei 250km/h ist bei dem britischen Schnellschiff äh Schlachtboot äh Schlachtschiff Schluss.
Wenn Ritterburgen fahren könnten, wären sie eben ein Wraith geworden. Mit Burghof zum bequemen Parken. Wraith heißt „Geist“. Ebenso wie Ghost nur auf schottisch. Von der Limousine Ghost stammt der Wraith ab. Der Radstand ist 18 Zentimeter kürzer, das Dach flacher und bis ins Heck hinein gezogen. So entsteht ein beeindruckender Zweitürer. Der Wraith ist für Selbstfahrer konstruiert. Das wird schon beim Einsteigen klar. Etwas geduckter als bei der Limousine kommt man in das Innere des 2,4-Tonnen-Brocken. Das Lenkrad ist dicker als bei Phantom oder Ghost. Die Sitze geben erstaunlich viel Seitenhalt. Klar, denn der Selbstfahrer soll beim Beschleunigen nicht vom Sofa rutschen. Wo andere Automobile fahren, gleitet der Brite. Das Fahrwerk ist unglaublich komfortabel und jeder Anforderung gewachsen. Im Rolls Royce Wraith schnell zu fahren ist eine Kombination aus Überlegenheit, Fahrfreude, Entspanntheit und etwas Dekadenz. Natürlich. Was auch sonst. Schön, dass BMW diese weltbekannte, legendäre Marke mit so viel Leidenschaft und Eleganz wiederbelebt hat.

Rolls Royce Wraith

Rolls Royce Wraith

Wie inszeniert man nun so ein Superluxusnobelcoupé richtig?München ist uns zu erbärmlich. Wir fahren ins Zentrum der Dekadenz und Larmoyanz. In die wirkliche europäische Hauptstadt der Gelassenheit. Wir foan noch Wean. Also nach Wien.

Da wir Wien schon bei Nacht gesehen haben, muss es natürlich auch ein Nachtshooting sein. Dazu treffen wir einen Freund oder besser gesagt DEN Freund in Wien.
„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt“. Dieses deutsche Lied ist nicht mehr jung, grammatikalisch nicht das Feinste in der Formulierung.„Das, was…“, aber ein wunderbares Lied aus dem schwungvollen Film „Die Drei von der Tankstelle“ mit Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann aus dem Jahr 1930.

Nun sind wir, mein bester Kumpel Oliver Luxenburger und ich, auf dem Weg in die Metropole der Dekadenz und Käsekrainer.
Unser Gefährt kostet rund 100.000 Käsetrainer. Mindestens.
Wenn man davon ausgeht, dass die Krone der alpenländischen Kochkunst 3,50€ kostet.
Wie immer, machen wir zunächst das Wiener Nachtleben unsicher und sind schon unterwegs zum ersten Käsekrainer des Abends.
Vorbei an der Oper und dann dreimal links. Natürlich nicht ohne uns für den einen oder anderen Schmäh mit Passanten Zeit zu nehmen. Kulinarisch gut versorgt geht es gleich nebenan in eine Unterführung. Das klingt weniger spannend als es ist, denn unser Freund Franz zeigt uns die ALBERTINA PASSAGE.
Das untergründige Lokal beschreibt sich selbst als „Kombination aus High-Class Küche, American Bar-Kultur, Live-Jazz, Lounge und Lifestyle“.
So schlimm ist es dann dort doch nicht.
Besonders, da Franz natürlich die netten Menschen am Eingang kennt und wir sofort an der Schlange vorbei nach innen schreiten dürfen. München und Wien sind sich ähnlicher als man denkt. Innen ist der Küche-Bar-Jazz-Lounge-Club-Dings fast wie Raumschiff Enterprise gestaltet und mit Münchner Getränkepreisen ausgestattet.
Anton schwärmt jetzt regelmäßig vom Rolls.

„Der Motor ist so leise, dass man ihn nur beim Anlassen hört.“ schwärmt er einem ihm gut bekannten Barkeeper vor. In der Tat haben wir uns ja auch schon gefragt, ob der 12-Zylinder überhaupt läuft.
Schönere Coupés sind schwer zu finden. Der Bentley Continental GT ist die einzige annähernde Konkurrenz auf weiter Flur. Schlimm ist es allerdings nach der Fahrt mit dem Wraith wieder in ein anderes Auto zu steigen. Selbst sehr gute Modelle von Premium-Herstellern wirken dann leicht erbärmlich.

Als wir am nächsten Mittag aufwachen, lenken wir Franz weiter ab. Mit einem Modeshooting. Zum Wraith passt das.
Model und Make-up Artistin verstehen sich auf Anhieb sehr gut und wir können den Tag genießen. Auf der Suche nach Location treffen wir am Naschmarkt coole Skateboarder und stellen das Luxus-Coupé dann noch direkt ans Wasser.
Dann cruisen wir zurück nach München. Auch bei 200km/h ist der Motor kaum zu hören. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit von 262km/h (laut Tacho).
Dann stößt die putzige Anzeigenadel an. Sie sieht übrigens aus wie ein Luxusstreichholz. Auch die Innenausstattung erfüllt höchste Ansprüche. Die Sitzwangen und die Mittelkonsole lassen sich auf Wunsch mit einem Bezug aus Rochenleder bestellen.