Esther Mahlangu gestaltete vor 25 Jahren als erste Frau eine BMW 525i und machte sie mit ihrer Bemalung zu einem Art Car.
Jetzt verwandelt die südafrikanische Künstlerin in Kooperation mit der BMW Individual Manufaktur erneut eine Limousine in ein Kunstwerk.
Von Melanie Müller
Rosa, grün, blau und gelb sind die Fingernägel ihrer dunklen, faltigen Hand bemalt. Die Finger fühlen sich bei der Begrüßung wie raues Pergamentpapier an. Ein kurzes Moment, zögernd und irgendwie unsicher wie ein junges Mädchen. Dann verschwindet ihre Hand wieder zwischen den verschiedenen Filz- und Perlen bestickten Schichten ihrer festlichen Stammestracht.
Art Car feiert Jubiläum
Esther Mahlangu ist Angehörige des Volkes der Ndebele, kam 1935 in Middelburg, einer Kleinstadt in der nordöstlichen Provinz Mpumalanga in der Nähe von Pritoria zur Welt und gilt als eine der bekanntesten Künstlerinnen Südafrikas. Das war nicht immer so. 25 Jahre ist es her, dass sie als erste Frau und Farbige 1991 ein BMW Art Car designte, wodurch sie als Künstlerin in eine Reihe mit Frank Stella, Roy Lichtenstein, Andy Warhol, David Hockney und Jeff Koons gehoben wurde. 1991 war übrigens auch das Jahr, in dem Nelson Mandela die Apartheit beendete. Das Jahr, in dem in London die Frieze erstmals veranstaltet wurde – aber das nur am Rande. Zum Jubiläum ihres eigenen Art Cars wurde sie jetzt noch einmal gefragt, ob sie das erste Individual Car bzw. die Zierleisten eines Individual BMW 740Li mit den grafischen Motiven ihrer traditionellen Ndebele Kunst gestalten möchte.
Esther Mahlangus Malerei hat Tradition
Schon mit 10 Jahren lernte Mahlangu unter der Anleitung ihrer Mutter und Großmutter zu malen. Bei den Ndebele ist es Tradition das die Frauen die Außenwände der Häuser mit kunstvoll aufgemalten Mustern und grafischen Elementen schmückt, um zu signalisieren, dass wichtige Ereignisse wie Hochzeiten oder andere Festlichkeiten anstehen. Die Wände werden somit zu aktiven Informationsmedien, zum Facebook 1.0, innerhalb der Gemeinschaft entfremdet. Benutzt werden Farben und Materialien, die in der Natur zu finden sind. Dung, Lehm und Sand und ihr Pinsel ist eine Feder. In Ihrer künstlerischen Arbeit verbindet sie die Malerei ihres Volkes mit Dingen der Neuzeit von Bildern, Gefäßen, Flugzeugen, Schuhe – oder eben Autos.




Enthüllung in der BMW Frieze Lounge
Ihr letztes Kunstwerk, das Individual Car, hat sie selbst noch nicht gesehen. Sie sitzt in der Frieze Lounge höchstens drei Meter entfernt von den verhüllten Auto. Es wird langsam warm in dem Zelt. Zu dicht stehen die neugierigen Gäste, die auf die Eröffnung warten.
Esther Mahlangu ist erschöpft von ihrem ersten London-Besuch, zu schwer sind die goldenen Reifen, die sie am Hals, Armen und Beinen trägt. Zu voll und quirlig ist die britische Hauptstadt. Der lange Flug und der Besuch im British Museum, wo gerade ihr eigens gestaltetes Art Car in einer Gruppenausstellung zu sehen ist, war anstrengend. Ihre Augen ruhen funkelnd auf der schwarzen Plane – ein Kind zu Weihnachten kann nicht aufgeregter sein.
Die letzten Worte der Rede von Marketing-Chefin Hildegard Wortmann verklingen und mit einem schnellen Ruck wird die Plane entfernt. Silber glänzt der Neuwagen – erst einmal ist es still im Raum.
Dann blitzen und knipsen die Fotoapparate. Klatschen. Esther Mahlangu wird zu ihrem Individual Car geführt, gestützt. Sie freut sich, lacht und darf sich als Erste auf die weichen, gesteppten Merino-Lederpolster setzen. Zaghaft schiebt sie ihre Hand unter dem Ornat hervor und gleitet mit ihren Fingern über die Zierleisten im Innenraum. Kunstvoll aufgemalte Muster und grafische Elementen in rosa, grün, blau und gelb.
Auktion für einen guten Zweck
Das Fahrzeug wurde übrigens im Rahmen eines „stillen Verkaufs“ versteigert. Bei Messeende erhielt der Höchstbietende den Zuschlag. Der Erlös der Auktion wird als karitative Spende an die UK-basierte Wohltätigkeitsorganisation „The Art Room” gegeben, die BMW zusammen mit der Frieze ausgewählt hat. „The Art Room“ nutzt Kunst als therapeutische Maßnahme in Schulen und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die Lernschwächen aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten aufweisen.