The Design Factory
Das Unternehmen Alessi, von Giovanni Alessi im Jahre 1921 in Omegna am Ortasee gegründet, hat im Laufe der Firmengeschichte tausende von Objekten kreiert, von denen viele zu wahren Ikonen des zeitgenössischen Designs geworden sind.
Das Alessi-Universum zählt mehr als dreihundert Designer aus der ganzen Welt und umfasst verschiedene Produktkategorien aus dem Bereich Haushalt – unter anderem Tafelservices, Küchenzubehör, Kochgeschirr, kleine Elektrogeräte, Einrichtungsgegenstände und Leuchten – aber auch persönliche Accessoires. Die Mission von Alessi ist es, den Wunsch nach einer modernen, ästhetischen und funktionalen Qualität in die industrielle Serienproduktion zu „übersetzen“. Eine seiner wichtigsten Eigenschaften ist daher die Fähigkeit, die typischen Anforderungen an ein modernes Unternehmens und sein Selbstverständnis als Forschungslabor für angewandte Kunst unter einen Hut zu bringen und dabei eine gekonnte Balance zwischen den avantgardistischen Ausdrucksformen der internationalen Kreativszene und den Wünschen des Publikums zu schaffen.
Zur Enciclopedia Alessi gehören unumstrittene Meister des italienischen Designs – wie Ettore Sottsass, Achille Castiglioni, Aldo Rossi, Enzo Mari und Alessandro Mendini – sowie Architekten und Designer von internationalem Ruf: David Chipperfield, Doriana und Massimiliano Fuksas, Toyo Ito, Odile Decq, Richard Sapper, Michael Graves, Philippe Starck, Stefano Giovannoni, Guido Venturini, Jasper Morrison, die Brüder Campana, Ronan & Erwan Bouroullec, Mario Trimarchi, Patricia Urquiola und Marcel Wanders.
Das stets für Veränderung und internationale Entwicklung offene Unternehmen ist gleichzeitig zutiefst in der Tradition und Kultur seiner Region verwurzelt.
Das Core Business des Unternehmens – die Produktion von Gegenständen aus Edelstahl durch Kaltpressen von Metall – findet nach wie vor in Italien, in dem Betrieb des Firmensitzes in Crusinallo statt. Dieses Verfahren wurde von der Kunstfertigkeit seiner Techniker zu wahrer Perfektion gebracht.
„Mir liegt viel daran“, so Alberto Alessi, Präsident der Alessi S.p.A., „die zentrale Rolle der Arbeit in der Designwerkstatt für die Schaffung unserer positiven Zukunft hervorzuheben. Auf diese Weise haben wir Designer und Architekten aus aller Welt in unseren Bann gezogen.“
ALESSI. THE DESIGN FACTORY
Die große Experimentierfreude bringt die Marke seit den achtziger Jahren dazu, sich neuen Materialien und Technologien zuzuwenden. Dies gipfelt schließlich in dem Launch der Armbanduhren-Kollektion mit der Schaffung der Marke AlessiWatches. Seit den Zweitausender Jahren arbeitet Alessi überdies mit Industrieunternehmen aus gänzlich anderen Produktionsbereichen zusammen, um innovative, von Erfolg gekrönte Projekte zu entwickeln – so z. B. „IlBagnoAlessi“, ein im Jahre 2002 umgesetztes Badezimmerkonzept in Kooperation mit der Firma Laufen. Bereits seit den fünfziger Jahren spielt das Unternehmen auch als Hotelausstatter eine wichtige Rolle und entwirft eigens für den professionellen Einsatz gedachte Produkte, die weltweite Bekanntheit erlangt haben.
Mit dem Ziel, Metaprojekte und Produktpolitik zu stärken, wird Ende der neunziger Jahre das Museo Alessi als ein vitales Archiv für das historische Firmenerbe eröffnet. Es fördert kulturelle Aktivitäten in Zusammenarbeit mit Museen und Sammlungen aus der ganzen Welt und ist Gründungsmitglied des Verbands Museimpresa.
Heute ist Alessi in den wichtigsten Metropolen der Welt mit 20 Alessi Markenstores, 200 Shop-in-Shops und ca. 3000 Händlern vertreten.
Chronologie
Die zwanziger Jahre.
In den zwanziger und dreißiger Jahren werden in den Alessi Werkstätten in kunstvoller Handarbeit Gegenstände für Tisch und Haushalt gefertigt, die sich besonders durch sorgfältige Feinbearbeitung auszeichnen. Viele der unzähligen Produkte aus dieser Zeit, wie das Tee- und Kaffeeservice aus Neusilber (1921) oder der Flaschenhalter aus vernickeltem Messing (1926), haben über mehrere Generationen in das kollektive Gedächtnis der Italiener Eingang gefunden. Die dreißiger Jahre. „Design“ in seiner heutigen Bedeutung taucht Ende der Dreißiger mit Carlo Alessi, Giovanni Alessis ältestem Sohn, auf. Ihm ist der Großteil der Projekte zu verdanken, die zwischen Mitte der Dreißiger und 1945 in den Katalog aufgenommen wurden. In diesem Jahr wurde auch das Tee- und Kaffeeservice „Bombé“ – einer der Archetypen der ersten Epoche des italienischen Designs – präsentiert.
Die fünfziger Jahre.
Das Ufficio Tecnico Alessi, das im Jahr 1952 mit dem Zitruskorb aus Draht „370“ einen echten „industriellen Typus“ kreiert, bekommt Unterstützung von externen Designern. Angeregt von Ettore Alessi, Carlos Bruder und Leiter des Ufficio Tecnico, führt die Zusammenarbeit mit Carlo Mazzeri, Luigi Massoni und Anselmo Vitale zur Schöpfung einiger Bestseller. Der Cocktail Shaker „870“ aus dem Jahr 1957 ist z. B. auch heute noch im Katalog zu finden.
Die siebziger Jahre.
1970 führt Carlo seinen ältesten Sohn Alberto ins Unternehmen ein, dem er nach und nach die Verantwortung für das Design Management übertr.gt. Außerdem veranlasst er auch den Eintritt seiner beiden anderen Söhne, Michele und Alessio, sowie seines Neffen Stefano in das Unternehmen. Mit der dritten Generation der Familie entwickelt sich eine Politik der Design Excellence, dank der sich das Unternehmen im Laufe der Jahre schließlich als Spitzenvertreter der sogenannten Fabriken des italienischen Designs etabliert.
Die achtziger Jahre.
Das erste große Forschungsprojekt namens „Tea & Coffee Piazza“ wird 1983 präsentiert. Das Metaprojekt, in dessen Rahmen elf Architekten an der Entwicklung von Tee- und Kaffeeservices arbeiten, bedeutet die Öffnung des italienischen Designs für kreative Köpfe aus dem Ausland. Das von Alessandro Mendini koordinierte Forschungsprojekt führt zur Entdeckung zweier großer Designer: Aldo Rossi und Michael Graves, die in den folgenden Jahren mehrere Bestseller wie die Espressokanne „La conica“ (1984) und den Wasserkessel „9093“ mit vogelförmiger Flöte (1985) kreieren.
Die neunziger Jahre.
Das provokativste und kontroverseste Objekt von Alessi stammt aus dem Jahr 1990: die Zitronenpresse „Juicy Salif“ des erfolgreichen französischen Künstlers Philippe Starck, der Alessi als „Marchant de Bonheur“ bezeichnete. In der Absicht, einige Schlüsselfaktoren der Beziehung zwischen Menschen und Gegenständen, wie z. B. jene des Spiels, der Erinnerung und der emotionalen Komponente, expliziter und direkter zu erforschen, wurde 1993 das Metaprojekt F.F.F. (Family Follows Fiction) präsentiert. Damit finden Kreationen wie das Feuerzeug „Firebird“ von Guido Venturini oder die Klosettbürste „Merdolino“ von Stefano Giovannoni Eingang in die Welt des Designs.
Die zweitausender Jahre.
Die vierte Generation der Familie tritt im Jahr 2000 mit Micheles Sohn Matteo und im Jahr 2014 mit Alessios Sohn Luca in das Unternehmen ein.
„Tea & Coffee Towers“ (2003) und „(Un)Forbidden City“ (2011) sind die Metaprojekte, die in der Absicht konzipiert wurden, durch das Betrachten zeitgenössischer Architektur neue mögliche Entwicklungswege für das Design von Haushaltsgegenständen zu entdecken. Aus dem Forschungsprojekt „Tea & Coffee Towers“ gehen einige kunstvolle Tafelservices wie „Colombina collection“ von Doriana und Massimiliano Fuksas (2007) und „Tonale“ von David Chipperfield (2009) hervor.
Mit dem dritten Jahrtausend ist das Product Design neuen Einflüssen ausgesetzt, die zur Entstehung von Kultprojekten wie z. B. der Kollektion aus Körben und Tafelaufsätzen „Blow up“ der Brüder Campana (2004) und „La Stanza dello Scirocco“ von Mario Trimarchi (2009) führen.
2013 ist ein besonderes Jahr für Alessi: Es erfolgt der Launch des Projekts „Buon Lavoro. La Fabbrica per la Città“. Dabei geht es darum, die Arbeit einmal „anders“ zu bewerten und sie in soziale Aktivitäten einfließen zu lassen, die der Gemeinschaft zugutekommen, für die das Unternehmen tätig ist. Im Rahmen dieser freiwilligen Initiative haben sich ca. 300 Mitarbeiter in insgesamt 9.000 Stunden für die Gemeinde Omegna engagiert. November 2015. Der Vorstand von Alessi ernennt Marco Pozzo zum neuen Geschäftsführer. Das Komitee besteht nun aus Marco Pozzo, Alberto Alessi (Präsident), Michele Alessi (Vizepräsident), Alessio und Stefano Alessi (Vorstandsmitglieder) und Drew Keith (neuestes Vorstandsmitglied). Marco Pozzo steht für den Anfang einer neuen Phase in der italienischen Designfabrik: Zum ersten Mal holt Alessi einen CEO außerhalb der Familie in den Vorstand des Unternehmens. 2016 erschien die jüngste Version von „The Dream Factory, Alessi from 1921“ beim Rizzoli-Verlag. In seinem Buch schaut Alberto Alessi zurück auf beinahe ein Jahrhundert Designarbeit: Er erzählt den Lesern das Universum aus Akteuren, Geschichten und Annekdoten hinter jedem Produkt und zelebriert die wunderbaren Abenteuer italienischen Unternehmertums. Darüber hinaus zeigt er die Veränderungen von Design im Gesamtkontext vom frühen 20. Jahrhundert bis heute.
Im Juni 2017 wurde Alessi als B Corporation ausgezeichnet, ein internationales Engagement von Unternehmen, die – über Profit hinaus – Wirtschaftskraft als Instrument sehen, um einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft auszuüben.
Alessi ist eins der ersten 50 Unternehmen in Italien und bislang das einzige italienische Designunternehmen, das mit diesem Zertifikat geehrt wurde.
Die Ikonen
1945
Tee-und Kaffeeservice „Bombé“
Design Carlo Alessi
1948
Drahtkorb „826“ Design Ufficio Tecnico Alessi
1952
Zitruskorb „370“
Design Ufficio Tecnico Alessi
1957
Shaker „870“
Design Luigi Massoni – Carlo Mazzeri
1978
Menage „5070“
Design Ettore Sottsass
1979
Espressokanne „9090“
Design Richard Sapper
1982
Besteckgarnitur „Dry“
Design Achille Castiglioni
1983
Wasserkessel mit Stimmpfeife „9091“
Design Richard Sapper
1984
Espressokanne „La conica“
Design Aldo Rossi
1985
Wasserkessel mit vogelförmiger Flöte „9093“
Design Michael Graves
1988
Espressokanne „La cupola“
Design Aldo Rossi
1989
Tablett „Girotondo“
Design King-Kong
1990
Zitronenpresse „Juicy Salif“
Design Philippe Starck
1994
Korkenzieher „Anna G.“
Design Alessandro Mendini
2004
Zitruskorb “Blow up”
Design Brüder Campana
2009
Tafelservice „Tonale“
Design David Chipperfield
2009
Elektrischer Wasserkocher „hot.it“
Design Wiel Arets
2011
Klappstuhl „Piana“
Design David Chipperfield
2014
Wasserkessel/Teekanne „Cha”
Design Naoto Fukasawa
2015
Espressomaschine “Pulcina”
Design Michele De Lucchi
2016
Kollektion „Alessi Circus“
design Marcel Wanders
2017
Reibe „Forma“
design Zaha Hadid