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ercol: Klare Formen aus Tradition und Leidenschaft

Vom Auswanderkind zum erfolgreichen Unternehmer

Das klingt nach einer typischen Gründergeschichte aus den USA, kommt aber aus Großbritannien: ercol gehört heute zu den großen britischen Traditionsherstellern für Möbel, dessen Gründer Lucian Ercolani wurde 1888 in Italien geboren. Schon sein Vater war Tischler und fertigte Bilderrahmen für die Uffizien. Als Kind zog Ercolani mit seinen Eltern und Brüdern nach London. Dort studierte er 1906 am Shoreditch Technical Institute Möbeldesign und arbeitete im Anschluss für verschiedene Firmen, bis er sich 1920 selbstständig machte.

Der große Erfolg stellte sich in den 40er Jahren ein: Durch die Kriegsschäden des 2. Weltkriegs war die Nachfrage an Möbeln groß, aber gleichzeitig waren Rohmaterialien knapp. Gesucht wurden solide Möbel, die aus möglichst wenigen Ressourcen hergestellt wurden. Die britische Regierung setzte deshalb ein Programm mit dem Ziel auf, gut gestaltete Möbel durch die möglichst effiziente Nutzung von Holz zu erhalten. Der Küchenstuhl 4a von ercol gehörte zu einer der Paradebeispiele und im Jahr 1944 wurden 100.000 Stühle für je 50 Pence verkauft. Diese aus der Not der 40er Jahre geborene Designvorgabe sollte eines der wichtigsten Merkmale von ercol werden: ein schlankes Design, reduziert auf das Wesentliche.

Mit dem Windsor Chair ließ Ercolani in den 1940er Jahren zudem ein weiteres augenscheinlich simples und zugleich altbekanntes Design wieder aufleben. Die Herstellung basiert noch heute auf zwei zentralen Aspekten: das Formen der gebogenen Rückenlehne aus Buchenholz in die exakt richtige Krümmung und die Stabilisierung des Ulmen-Sitzes, um dem Verziehen des Holzes und dem Entstehen von Rissen vorzubeugen. Nicht nur hier zeigt sich die anspruchsvolle, oft handwerkliche Herstellung.

In den 1950er Jahren entwarf Lucian Ercolani unter anderem den Butterfly Chair sowie den Stacking Chair. Zwei klassische Designs, die in der Original Collection von ercol neu aufgelegt wurden und noch heute begeistern. Dabei werden die Designs regelmäßig hinterfragt, teils weiterentwickelt und modifiziert. Aktuelles Beispiel, das auf der imm cologne 2018 vorgestellt wurde: Der Butterfly Chair im neuen Farbton Rose, der zugleich für den wachsenden Europäer um 10 Prozent in den Proportionen vergrößert wurde.

 

 

Neben Ercolani selbst haben viele weitere bekannte Designer für ercol gearbeitet. Dazu gehören unter anderem Tomoko Azumi, Floris van den Broecke, Dylan Freeth, Matthew Hilton, Paola Navone, Russel Pinch und James Ryan.

Auch heute wird das knapp 100 Jahre alte Unternehmen in Familienhand geführt: Chairman ist Edward Tadros, Enkel von Lucian Ercolani. Sein Sohn Henry verantwortet den internationalen Vertrieb. Aber nicht nur die Gründerfamilie arbeitet in der vierten Generation im Unternehmen – auch bei den Angestellten gibt es viele, die zusammen mit ihren Eltern den Fußstapfen der Großeltern folgen, die schon für Ercolani gearbeitet haben.

ercol ist ein Traditionsunternehmen – dauerhaften Erfolg erreicht man aber nur, wenn man ständig den Blick in die Zukunft richtet!

Was steht also für die Mailänder Messe im April auf der Agenda?

Hier wird eine Möbelkollektion vorgestellt, die in erstmaliger Zusammenarbeit mit dem isländischen Designer Hylnur Atlason entstanden ist. Im Schwerpunkt richtet sich die modulare Polsterkollektion an das Objektgeschäft, eignet sich aber auch für den privaten Wohnbereich. „Wir orientieren uns an ‚alten‘, aber bewährten Formen: Die neue Kollektion von Hylnur Atlason kann man nämlich als eine moderne Interpretation unseres klassischen 427 Easy Chair bezeichnen“, verrät Edward Tadros. „Auch wenn wir an traditionellen Formen anknüpfen, entwerfen wir Möbel immer vor dem Hintergrund sich verändernder Geschmäcker, Moden und Anforderungen an das tägliche Leben.“ Weiterhin tragen neben dieser eigenständigen Handschrift die meisterhafte Handwerkskunst und ausgewählte Materialien dazu bei, aus einfachem Holz ein Möbelstück mit Charakter zu erschaffen. Und das zeichnet ercol aus – seit nun nahezu 100 Jahren.

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